Direkt zum Seiteninhalt

Fotos animieren - Dr. Christian Pinter - Fototipps

Menü überspringen
Dr. Christian Pinter
Menü überspringen
Einfache Foto-Animation
In der Astronomie haben wir es fast immer mit einzelnen Fotos zu tun. Was aber, wenn man Fotos in einem Videofilm einbauen will?


Diashow

Das einfachste ist, die Einzelfotos in Form einer Diashow einzubinden. Bei meinen beiden Schnorchelabenteuern im Roten Meer filmte ich z.B. unter Wasser, fotografierte aber meist an Bord der Boote und an Land - auch nachts den Mondaufgang am Strand.

In DaVinci Resolve zieht man Fotos genauso wie Video-Clips in die Timeline. Jedes Fotos ist für eine individuell einstellbare Zeit zu sehen.

Es gibt außerdem Übergangseffekte mit wählbarer Dauer, z.B. einfache Überblendungen. Meiner Ansicht nach sollte man sich mit Effekten aber zurückhalten - zu viel davon schauen eher verspielt aus als professionell.

Ich habe einst gut 300 Reisevorträge für die Wiener Erwachsenenbildung programmiert und betreut: Damals, in den Achtzigerjahren, betrugt die durchschnittliche Verweildauer eines Dias um die 15 Sekunden. Heute wechseln Bilder eher im 5-Sekunden-Intervall ab. Die rasche Bildfolge im TV hat unsere Sehgewohnheiten nachhaltig verändert.
Fotoanimation

Darunter verstehe ich die künstliche Verwandlung von Standfotos in Bewegtbilder.

Weniger wäre viel mehr

In historischen Dokus werden Personen heute gern aus alten Fotos ausgeschnitten und deutlich vor den Hintergrund gestellt. Dann folgt eine ebenso virtuelle, beschauliche Kamerafahrt. Ergebnis ist eine Art 3-D-Effekt.

Man kann das mögen oder - wie ich - dämlich finden. Das Verfahren folgt der Prämisse des Unterhaltungsmediums Fernsehens: Irgendwas muss sich immer bewegen. Ist es nicht das Objekt, dann hat zumindest die Kamera in Fahrt zu sein! Das ist gewissermaßen die DNA des Fernsehens.

Tatsächlich zieht die unnötige Bewegtheit aber die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Objekt und sogar vom mitgelieferten Ton ab. Bereits in den Siebziger- und frühen Achtzigerjahren belegten Studien: Menschen fühlen sich nach Informationssendungen im TV informiert; sie können die eben gehörten Inhalte aber schlecht wiedergeben.

Das unterscheidet Fernsehen wesentlich von Printmedien. Bewegung lenkt ab. Zur traurigen Legende geriet einst der Bier spendende Zapfhahn im Pub, der häufig bei Nachrichtensendungen über den Nordirland-Konflikt auftauchte.

Entsprechend verfährt das TV auch mit astronomischen Bildern. Hier wird kein Standbild von einem Sternhaufen gezeigt - der Betrachter muss vielmehr unbedingt durch diesen hindurch fliegen - und das untermalt von vorgeblich "spacigen" Klängen und Geräuschen, die mit dem wahren Weltall nichts zu tun haben.

Gaswolken treiben im TV in rasendem Tempo durchs All und rotieren dabei rasch (so wie dargestellt, erfolgte das eigentlich schon mit Überlichtgeschwindigkeit). Galaxien verabschieden sich in einem Tempo, als spielte die Dunkle Energie verrückt.

All das vergällt mir seit langem astronomische Dokumentation im TV. Weniger wäre viel mehr.


Und dennoch ...

Als Amateurastronom wird man astronomische Fotos mitunter in Videos einbauen wollen - und solcherart verführt sein, Fotoanimationen zu nutzen.

Man kann z.B. zwei Fotos ineinander überblenden - eventuell sogar blinkend, wenn sich z.B. die Helligkeit oder Position eines Sterns zwischen zwei Aufnahmen verschoben hat. Oder Fotos beleben, indem man entweder hinein oder heraus zoomt bzw. das Objekt oder die "Kamera" gemächlich verschiebt. So lässt sich z.B. ein Mondaufgang aus einem einzigen Foto simulieren.

Das folgende Video zeigt genau das: Zunächst erfolgt die Überblendung von einem am abendlichen Strand mit bescheidenen Mitteln geschossenen Mondfoto in ein etwas späteres. Dann folgt ein Zoom auf den Mond. Schließlich lasse ich den Mond wandern, von links unten nach rechts oben. Um den künstlich geschaffenen Mondaufgang realistischer zu machen, wird das singuläre Foto dabei auch noch heller werden.
Um solche Animationen zu erstellen, gibt es z.B. den Dynamic Zoom-Effekt in DaVinci Resolve.
Masken

Man kann auch Masken über ein Foto legen. In DaVinci Resolve findet sich unter den Effects auch eine Art Fernglasmaske. Eine andere Maske ahmt das Sucherbild einer DSLR nach, eine weitere das einer Movie-Cam. Die Eigenschaften solcher Masken sind in weiteren Grenzen konfigurierbar. Blendet man Masken ins Foto aus- oder ein, entsteht wiederum ein videoähnlicher Effekt.
Das klappt auch mit bewegten Bildern

All diese Effekte eignen sich natürlich nicht nur zum Animieren von Fotos. Man kann sie auch auf Video-Clips anwenden. Clips mit wenig Bewegung werden davon mehr profitieren. Bei Clips, die von Haus aus schon dynamisch sind, sollte man solche Effekte meiner Meinung nach aber nur äußerst sparsam einsetzen.  
Zurück zum Seiteninhalt