Spiegelvorauslösung - Dr. Christian Pinter - Fototipps

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Spiegelvorauslösung

Unmittelbar vor einer Belichtung klappt der Spiegel einer Spiegelreflexkamera hoch. Das führt zu einer Erschütterung, die sich bei astronomischen Aufnahmen unangenehm bemerkbar machen kann.

Hängt die Kamera nämlich am Teleskop, entsteht ein ordentlicher Hebel.
Zusammen mit der dann zumeist hohen Brennweite werden Sterne zu kleinen Strichen - und zwar in Richtung des Spiegelschwungs: Bei Aufnahmen im Querformat geht der Strich nach oben (wie das Foto links zeigt).
Bei Aufnahmen im Hochformat verläuft die Bewegung hingegen seitwärts. Fotos flächiger Objekte - z.B. Mondlandschaften - erhalten natürlich ebenfalls Verwacklungsunschärfe verpasst. Also ist ein "Spiegeltrick" nötig.
Spiegelvorauslösung in den Kamerafunktionen suchen

Abhilfe schaft die Spiegelvorauslösung. Bei meiner Canon EOS 1000D lässt sie sich in den Individualfunktionen aktivieren.

Man muss dann für jede Aufnahme zweimal auslösen: Beim ersten Mal klappt der Spiegel hoch, beim zweiten geht der Verschluss auf.
Auslösen per Hand (mit Fernauslöser)

Mit einem kabelgebundenen Fernauslöser lässt sich diese Doppelaktion sehr leicht realisieren.

Bei der EOS 1000D schließt sich der Schalter mit einem 2,5 mm Klinkenstecker in Stereoausführung an die Kamera an.
Auslösen mittels Timer
Doch was ist, wenn man mehrere Aufnahmen mit einem Timer schießen will? Was passiert dann mit der Spiegelvorauslösung?
Normalerweise lässt sich am Timer nur eine einzige Belichtungszeitdauer einstellen.

Die Kamera wird also z.B. 1 Minute lang den Spiegel hochklappen, dann 1 Minute lang belichten, dann wieder 1 Minute lang den Spiegel hochklappen usw.
Das ist freilich zeitaufwendig und verschlingt eine Menge Akkustrom.
Auslösen mittels Elektronik
Besser wäre ein Timer, der zwei unterschiedlich lange Signale abgibt: Ein kurzes für die Spiegelvorauslösung und dann, nach vielleicht 3 Sekunden Pause, ein zweites in Länge der gewünschten Belichtungszeit.

Einen solchen Timer gibt es meines Wissens aber nicht im Handel. Hobby-Elektroniker können sich einen solchen sicher mit einem Mikrocontroller (Arduino etc.) basteln.
Vielleicht lässt sich aber auch ein normales, einfaches Timer-Signal mittels einer elektronischen Adapterschaltung entsprechend umwandeln. Zwischen dem Belichtungsende und der Spiegelvorauslösung muss jedenfalls genug Spielraum blieben, damit die Kamera das Bild auf die Speicherkarte schreiben kann.
Auslösen mittels Software
Natürlich ließe sich statt des Hardware-Timers eine passende Software wie etwa APT benützen. Sie ist in der Lage, zwei Impulse pro Aufnahme per USB-Kabel an die Kamera zu senden.
Auslösen mit einem Trick
Was aber, wenn man gerade keine Notebook mit passender Software bei sich hat? Zumindest für meine Canon EOS 1000D habe ich folgenden Trick gefunden:

Man stellt an der Kamera zusätzlich (!) zur Spiegelvorauslösung einen Selbstauslöser-Vorlauf von 2 Sekunden ein.

Nach dem Auslöseimpuls klappt die Kamera zunächst den Spiegel hoch; belichtet wird aber erst zwei Sekunden später.
Das mag reichen, um die in Schwingung versetzte Kombination aus Teleskop und Kamera wieder zur Ruhe kommen zu lassen. In diesem Fall muss man freilich auch die gewünschte Belichtungszeit am Timer um 2 Sekunden erhöhen (also z.B. von 60 auf 62 Sekunden)!

Alternativ lässt sich auch ein Selbstauslöser-Vorlauf von 10 Sekunden wählen. In diesem Fall muss man die Belichtungszeit am Timer um 10 Sekunden verlängern (also von z.B. 60 auf 70 Sekunden). Mehr Auswahl gibt es bei der EOS 1000 D leider nicht.

Noch ein Wort zu den Darkframes:

Lightframes und Darkframes - wie sie in der Deep Sky-Fotografie nötig sind - erfordern exakt die gleiche Belichtungszeit. Hier ist das tatsächliche Offenstehen des Verschlusses gemeint. Man mag die Spiegelvorauslösung und den Selbstauslöser-Vorlauf daher auch bei den Darkframes aktiviert lassen, um keine Änderungen am Timer vornehmen zu müssen.

Allerdings sind die beiden hier völlig unnötig. Lässt man sie weg, sollte man die am Timer eingestellte Belichtungszeit wieder entsprechend kürzen. Hat man diese wegen des Selbstauslösers z.B. von 60 auf 62 Sekunden erhöht, setzt man sie nun wieder auf 60 zurück.

Bei Bias-Aufnahmen und Flatfield-Fotos nerven Spiegelvorauslösung und Selbstauslöser nur mehr. Aber da hat ja auch der Einsatz des Timers keinen Sinn.


Alle Angaben ohne Gewähr und ohne Haftung.


 
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