Planetenfotografie mit der DSLR: Bearbeitung - Dr. Christian Pinter - Fototipps

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Planetenfotografie mit der DSLR: Bearbeitung
Die Bearbeitung der gewonnen Fotos zerfällt in zumindest zwei Schritte: Beim Stacking werden die besten Einzelaufnahmen ausgewählt und diese dann gleichsam "übereinandergelegt". Das meist flau und verwaschen anmutende Summenbild wird dann durch ausgeklügelte Schärfungsfunktionen und weitere Maßnahmen in ein möglichst attraktives Endprodukt verwandelt.
Stacking
Im folgenden beschreibe ich das Stacking mit der Software AutoStackert. Alternativ mag man die ebenfalls kostenlosen Stacking-Programme Avistack oder Registax versuchen.

Dabei ist es an sich egal, ob Sie die Kamera - wie ganz oben beschrieben - im Videomodus betrieben, hunderte Einzelbilder geschossen oder die Bilder aus dem LiveView extrahiert haben. Autostackert akzeptiert z.B. AVIs. Liegt Ihr Video in einem anderen Format vor, konvertieren Sie es mit FormatFactory oder einem ähnlichen Programm. Natürlich lässt sich Autostakkert auch mit JPGs füttern.

Bei Planetenvideos wählt man hier die Einstellung "Planet".
Ein Einzelbild ist wenig ansehnlich. Stacking-Software wie Autostackert legt die Frames des AVIs oder die JPGs gleichsam übereinander und erstellt so ein besseres Bild.
Zu diesem Zweck muss man auf einem qualitativ möglichst guten Frame bzw. JPG zunächst Alignment Points definieren.
Dann wird das Ausgangsmaterial von der Software analysiert. Sie erkennt, welche Bilder bzw. Frames gut sind, und welche von der Luftunruhe deformiert wurden. Man legt anschließend fest, wo die rote Linie gezogen werden soll. Entscheidet man sich z.B. für 33 Prozent, wird nur das beste Drittel aller Frames für das Stacking verwendet.
Nach erfolgtem Stacking liegt ein Summenbild vor. Es mangelt ihm wahrscheinlich an Schärfe.

Im folgenden geht es vor allem darum, das Bild zu schärfen.
Weitere Bearbeitung
Jetzt kommt z.B. Registax zum Einsatz. Auch diese kostenlose Software kann Stacken. Wir verwenden hier aber andere Funktionen. Dazu ziehen wir das Summenbild ins geöffnete Programmfenster.
RGB-Align
Unsere Lufthülle bricht das Licht der Himmelskörper ein wenig nach oben. Je tiefer sie über dem Horizont stehen, desto ausgeprägter der Effekt. Dabei ist es wie beim Prisma: Blaues Licht wird stärker gebrochen als rotes. Bei hoher Vergrößerung zeigen die Planeten daher unten einen roten, oben einen blauen Rand.

Mit der Funktion RGB-Align bringen wir verschobene Lichtanteile zur Deckung. Wir ziehen eine grüne Box um das Objekt und wählen dann "Estimate". In Autostakkert 2.6 lässt sich diese Funktion bereits einstellen. Dann erspart man sich diesen Schritt in Registax, das allerdings viel mehr Einstellmöglichkeiten bietet.
Noch besser wäre es, die Farbanteile schon vor Erreichen der Kamera zur Deckung zu bringen. Diesem Zweck dient ein Atmospheric Dispersion Corrector.
Helligkeit und Kontrast


Meist will man mehr Kontrast, um Details herauszuarbeiten. Dafür wird dann die Helligkeit oft zurückgenommen.

Entstehen helle Flächen ohne interne Strukturen, hat man es allerdings übertrieben.
Schärfen



Das eigentliche Highlight von Registax ist die ausgeklügelte Schärfefunktion. Die Regler schärfen, von oben nach unten, immer größere Details. In dieser Reihenfolge zieht man sie nach rechts.

Dabei entstehen Artifakte, die man durch die Erhöhung des Wertes "Denoise" (Pfeil) wieder reduziert. Oft reicht dazu die Denoise-Box über dem ersten Schärferegler.



Je mehr Frames für das Summenbild ausgewählt wurden, desto stärker wird man in der Regel nachschärfen können.

Ziel ist ein Bild mit vielen klar umrissenen Details - ohne Spuren von Rauschen bzw. "Körnung". Besteht das Ausgangsmaterial aus JPGs, darf man sich hier aber keine Wunder erwarten.
Weitere Funktionen
Registax bietet einige weitere interessante Funktionen. So lässt sich das Bild drehen oder bis zum Faktor 2 vergrößern. Außerdem kann man die Kolorierung anpassen.

Vergleich: CCD - DSLR
Links sehen Sie die fertige Venus-Aufnahme mit der DSLR, rechts eine am gleichen Tag mit der CCD-Kamera (NexImage5) gewonnene.
Darks nötig?
Wer im Sekundenbereich belichten muss - z.B., um Uranus und Neptun mit deren Monden einzufangen - braucht neben den beschriebenen "Lightframes" des Objekts auch dunkle Referenzaufnahmen: die "Darkframes". Man schießt sie am besten gleich nach den Lightframes, und zwar mit selber ISO-Einstellung, selber Belichtungszeit und bei selber Temperatur. Allerdings mit dem Objektivdeckel am Rohr.

Autostakkert und Registax können diese Darkframes von den Lightframes abziehen. So wird das Kamerarauschen reduziert. Das Verfahren ist aus der Deep-Sky-Fotografie bekannt.
 
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