Äquaoriale und altazimutale Montierung - Dr. Christian Pinter - Fototipps

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Nützliche Hilfsmittel > fürs Teleskop
Äquatoriale und altazimutale Montierung
Teleskope werden auf zwei verschiedene Arten aufgestellt: Die altazimutale Aufstellung folgt dem altazimutalen Koordinatensystem, die äquatoriale dem äquatorialen.


Die altazimutale Aufstellung: links, rechts, oben, unten
Eine Drehachse ist horizontal, die andere vertikal ausgerichtet.

Die Bewegung des Teleskops geschieht also streng nach links, rechts, oben oder unten.



Foto links:
Mein LX90 in Gabelmontierung, hier altazimutal aufgestellt.
Vorteile

    • sehr einfaches Anvisieren terrestrischer Objekte
    • einfaches Anvisieren heller Himmelsobjekte
    • der Schwerpunkt liegt auch ohne weitere Maßnahmen über der Stativmitte
    • simple Montierungen (Dobson!) sind technisch leicht zu realisieren
    • einfacheres Ausrichten bei manuellem Betrieb
    • einfacheres Ausrichten bei computergesteuertem Betrieb
    • Mirror-Flop durch Fokussieren mit Objekten gleicher Höhe beherrschbar

Nachteile

    • zur Nachführung muss man an beiden Achsen drehen*
    • schwache Himmelsobjekte sind eher schwierig anzuvisieren*
    • das Bildfeld rotiert - lange Belichtungszeiten sind ausgeschlossen
    • Autoguider versagen hier (unverständlicher Weise)
    • leichte Probleme bei der Astrometrie, speziell bei Doppelsternen

*) spielt bei computergesteuerten Teleskopen wenig Rolle
Die äquatoriale Aufstellung: "Wie im Himmel ..."
Eine Achse steht parallel zur Erdachse, die andere rechtwinkelig dazu.

Das Teleskop dreht sich jetzt gleichsam wie die Himmelskugel.

Mitunter wird diese Aufstellung auch "parallaktisch" genannt.




Foto links:
Mein LX90 in Gabelmontierung, hier erstmals äquatorial aufgestellt
Vorteile

    • sehr schwache Himmelsobjekte lassen sich besser auffinden *
    • es muss längere Zeit nur an einer Achse gedreht werden *
    • Das Bildfeld rotiert nicht, lange Belichtungszeiten sind möglich ...
    • ... denn Autoguider sind hier einsetzbar

*) bringt bei computergesteuerten Teleskopen keinen Vorteil  

Nachteile

    • das Anvisieren terrestrischer Objekte geht nicht intuitiv
    • das Anvisieren heller Himmelsobjekte geht nicht intuitiv
    • Schwerpunkt ist nur durch ausladendes Design noch über der Stativmitte
    • das ausladenderes Design führt zu größerer Schwingungsanfälligkeit
    • das ausladendere Design kann bei überdachten Balkonen stören
    • simple Teleskope (Dobson!) sind nicht zu realisieren
    • das Ausrichten ist komplizierter; der Polarstern sollte sichtbar sein
    • bei Mirror-Flop ist die Fokuslage nach Schwenk kaum vorhersagbar
    • deutlich größeres Gewicht, auch bei bei Gabelmontierungen
Verwandlungskünste


Was macht man, wenn man die "falsche" Art Montierung besitzt?

Ganz einfach ist die Verwandlung einer klassischen parallaktischen Montierung (die mit dem schweren Gegengewicht auf der fernrohrfernen Seite der einen Achse) in eine altazimutale. Man braucht dazu bloß die geografische Breite auf 90 Grad einzustellen. Damit fällt es leichter, irdische Beobachtungsobjekte mit Teleskopen anzupeilen, die für die Astronomie entwickelt wurden.

Die umgekehrte Verwandlung geht leider nicht, ohne das Fernrohr sehr gefährlich aus der Balance zu bringen.
Von Gabelmontierungen und Polhöhenwiegen


Computergesteuerte Schmidt-Cassegrain- oder Maksutov-Teleskope werden aber gern mit Gabelmontierungen verkauft. So erspart sich der Hersteller das oben genannte Gegenwicht - und Sie haben weniger zu schleppen.

Diese vergleichsweise kompakten Geräte werden, falls in Gabelmontierungen steckend, meist im altazimutalen Zustand angeboten (siehe Foto ganz oben). Das stört bei der visuellen Beobachtung dank des eingebauten Computers wenig.

Auch die Fotografie mit Belichtungszeiten von wenigen Sekunden (in meinem Fall sind es bis zu 10 sec) ist damit noch möglich.

Will man eine altazimutale Gabelmontierung in eine äquatoriale verwandeln, muss man einen äquatorialen Aufsatz (auch "Polhöhenwiege" genannt) zwischen die Teleskopbasis und das Stativ einfügen.
Eine solche Polhöhenwiege ist ein rein mechanisches Teil, das aber sehr stabil gebaut ist.


Foto links:
Meine alte Meade-Polhöhenwiege
Große Teleskophersteller bieten Polhöhenwiegen an. Beispiele:  1, 2, 3, 4.
Das Produkt muss unbedingt auf Ihr Teleskop zugeschnitten sein!
Mitunter gibt es Adapterplatten, über die man ein neueres Teleskop an die Polhöhenwiege eines alten anschließen kann.

So ein Adapter existiert für mein LX90 und die "Meade Polhöhenwiege für ACF und SC 8" (Foto links).
Am besten, Sie fragen einen Fachhändler wie Teleskop Austria in Wien und Linz oder astroshop.de, wie man Ihr Teleskop verwandeln kann.
Licht und Schatten

Mein früheres Meade-Teleskop war von Haus aus parallaktisch montiert. Das neuere LX90 (gekauft 2005) konnte nicht direkt auf der alten Polhöhenwiege fixiert werden. Im Jänner 2017 war mir das erstmals über die oben erwähnte Adapterplatte möglich. Hier meine bisherigen Erfahrungen:


Vorteile


Nachteile

  • Die exakte Aufstellung des Teleskops hat sich verkompliziert
  • der Polarstern muss sichtbar sein - von meinem Balkon aus ist er es nicht
  • Polhöhenwiege und Adapterplatte erhöhen das Gewicht merklich
  • das Teleskop ist anfälliger für Schwingungen geworden
  • Scharfstellen an Sternen in gleicher Höhe vereitelt den Mirror-Flop nicht mehr
  • das ausladendere Teleskop schlägt beim Tragen leicht am Türstock an
  • meine Ablageplatte (ähnlich dieser) erschwert die Fixierung der Polhöhenwiege










 
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